22/08/2024

Nächtlicher Spuk

Williams Lake ließ ich hinter mir, um kurz vor Cache Creek auf die 99 Straße Richtung Whistler zu fahren. Endlich war das mal eine schmale kurvige Strecke, hier fühlten sich Fahrer und Vespa gleich besser. Keine großen Lastwagen und Wohnmobile die stressen, auf den Punkt gebracht "fast kein Verkehr". Gemütlich tuckerte ich die Bergstrasse entlang, immer die schöne Landschaft im Blick.
In Lillooet unterbrach ich meine Fahrt. Der Winterskiort Whistler wäre zwar nur mehr 130 Kilometer entfernt, aber ich wollte eine Nacht hier in diesen urigen Ort verbringen.

Am Abend dann bekam ich eine Nachricht von Steve, ein Engländer, der 2019 in der gemischten Myanmargruppe dabei war, die Info, dass er in Whistler sei. Er startete ganz oben in Alaska mit seinem Motorrad und möchte ganz runter nach Feuerland/Südamerika. Wie klein oft manchmal die Welt ist, dass man in irgendeinem Winkel der Erde wieder bekannte Gesichter sieht (Info: dazumals bestand eine Guidepflicht für eine Durchreise von Myanmar und um Kosten zu sparen bildeten sich Gruppen von Reisenden). Seitdem gab es sporadisch immer einen Kontakt über WhatsApp.

Frühmorgens bei angenehmer Temperatur fuhr ich die restlichen Kilometer nach Whistler. Hier am Campingplatz gab es ein freudiges Wiedersehen mit Steve, 5 Jahre sind seitdem vergangen. Ein jeder erzählte dem anderen seine Geschichten, was man in der Zwischenzeit erlebt hatte. Steve sagte mir, dass er letztes Jahr auch die Westroute in Afrika raufgefahren ist und er in der Stadt Luanda/Angola auf einem Campground ein Foto von mir und dem Besitzer gesehen hatte. Gemeinsam ging es dann zu Fuß in die Stadt Whistler, um dort überraschend zu sehen, dass auch im Sommer die Stadt von Touristen überlaufen ist. Naja, eigentlich bieten sie viele Attraktionen der Freizeitgestaltung an, sodass die vielen Touristen hier logisch sind. Hier aß ich zum ersten Mal eine Poutine, das ist quasi die kanadische Leberkässemmel, nur besteht die Speise aus Pommes, Käse und darüber eine heiße Soße.

Die Mahlzeit hat gereicht um Abendessen und das folgende Frühstück auszulassen. Beim Zurückgehen zum Campingplatz ging es noch in einen Spirituosenladen, hier entdeckte ich Österreichisches Bier in Dosen. Gut eingekauft erreichten wir dann wieder unseren Zeltplatz. Hier hatte ein jeder Platz eine sogenannte Bärenbox, da muss man die Sachen reingeben, die auch den Bären munden würden.
Die Bierfeier wurde wegen einsetzendem Regen abgebrochen, ein jeder kroch in sein Zelt. Rhythmisches Prasseln des Regens erleichterte mir das Einschlafen....doch mitten in der Nacht ein quietschendes Geräusch vom Deckel unserer Bärenbox. Ich war sofort hellwach, voller Adrenalin lauschte ich durch die Zeltwand, die Box war ja nicht mal 2 Meter von meinem Zelt weg. Jetzt is soweit, hob i ma docht, a Bär macht si an da Kistn zum Schoffa. Vergessen hauma ah zum Zuasperren mir Deppn, a Grizzly. Flüchten, ja, wohin? Lieg jo net in an Bierzelt. Laute Geräusche machen zum Vertreiben? Na eher net, des könnt mi ins Blickfeld seiner Interesse bringen. Und daun hör i a Zischen. Geh leck, hob i ma denkt, der Bär sauft unsa restliches Bier aus. Und daun hör i a nu an Furz. A furzender biersaufender Bär?🤔 Mit leiser Stimme sagte ich "Steve?" Ich hörte nur ein "Mmhhh" oder war das eher ein Brummen? Ein wenig mutiger bzw. lauter erhob ich meine Stimme "Steve, is that you?" Und diesmal konnte ich Steve ausmachen. Ich bin zu früh eingeschlafen, meinte er und es war ja noch nicht spät, gerade erst mal finster geworden. Ich kroch nochmals raus, ging zur Toilette und beim Retourgehen verschloss ich die Box ordentlich, sind ja nicht umsonst. Nun konnte ich beruhigt weiterschlafen. Anmerkung: Normalerweise hör i des, waun ana sein Reißverschluss vom Zelt aufmacht, oba i dürft wirklich guat gschlofn haum, dass i des überhört hob.😬


 

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