16/08/2024

Der einsame Weg nach Alaska

Nach langer Zeit und turbulenten Momenten habe ich nun endlich Zeit euch ein wenig von meinen Eindrücken und Erlebnissen der letzten Tage zu berichten. Die geplante Strecke, von Kamloops aus den Cariboo Highway nordwärts zu fahren, musste ich abbrechen, weil ich bei einer Pause sah, dass meine Vespa Kühlflüssigkeit verlor. Nach einigen Recherchen auf Google Maps zwecks einer Motorradwerkstatt blieb es nicht aus, den Plan zu ändern. In Kamloops gab es nur einen Harleyservice und der nächste Vespa Workshop sollte laut Internet in Vancouver sein. Mehr als 400 Kilometer zeigte mir das Navi an. Mir blieb also nichts anderes übrig als nach Vancouver zu fahren. Am späten Nachmittag erreichte ich die Werkstatt. Dort bekam ich sofort eine Hilfe dank JC dem Mechaniker (was auch immer das JC bedeuten soll, ich fand es nicht heraus). Schuld war eine Korrosion bei dem Anschluss der Wasserpumpe. Gleichzeitig zeigte er mir, dass die Gabel ein Spiel hat. Da es aber kurz vor Feierabend war, machte ich einen Termin zur Behebung bzw. Fixierung der Gabel für den nächsten Tag aus. Die Suche nach einer leistbarer Unterkunft in der Nähe erwies sich schwieriger als ich dachte. Zuerst einmal lag die Werkstatt in einem Problemviertel, wo Drogenhandel herscht und kriminelle Junkies ihrer "Arbeit" nachgehen. Mehrmals wurden mir billige Hotels empfohlen, wo gleich daneben Drogenabhängige am Gehsteig kreuz und quer lagen, diese genannten Hotels in dem Viertel waren gottseidank im Nachhinein gesehen ausgebucht, aber umso sicherer die Gegend, umso mehr stieg der Preis für ein Zimmer, um die 300 Euro die Nacht. 16 Kilometer weg von dem Viertel fand ich am Rande der Stadt einen Campingplatz, wo ich um 40 Euro einen Zeltplatz bekam. Soweit so gut, der Platz war sicher, Toilettanlagen und Duschen top sauber, Management deutsch, Pool und Waschmaschinen vorhanden, aber wieder einmal die Eisenbahntrasse seitlich und eine stark befahrene Straße hinter mir. Oftmals in der Nacht wurde ich durch die Dieselloks aufgeweckt, die Geräusche der sich nähernden Lok's klangen ähnlich wie der Rotorschlag eines Hubschraubers, um sogleich dann wieder von den hunderten quietschenden angehängten Waggons wieder in den Schlaf gerüttelt zu werden. Pünktlich am nächsten Morgen stand ich bei JC in der Werkstatt, dort bekam ich gleich Kaffee in einem Vespahäferl, das ich behalten durfte, serviert. Nach der Fixierung der Gabel ging es zurück zum Campingplatz, dort verbrachte ich den restlichen Tag mit faulenzen, Buch lesen, Wäsche waschen und im Pool schwimmen. Die Nacht war, wie die vorherige, von den Geräuschen nicht besser, so ging es müde bei Regen zur Fähre, die mich nach Vancouver Island brachte. Von dort fuhr ich einmal nach Port Hardy ans andere Ende der Insel, um mich nach der nächsten Fähre nach Prinz Rupert, das schon weiter nördlich liegt, zu erkundigen. Das Büro der BC Fährgesellschaft hatte noch offen und zu meinem Glück sollte am nächsten frühen Morgen ein Schiff nach Prinz Rupert auslaufen. Da ich aber keine Reservation hatte, wurde ich auf die Warteliste gesetzt, mit der Info, ich sollte um 5 Uhr früh hier nochmals nachfragen. Zum Schlafen wählte ich einen Campingplatz in der Nähe des Terminals. Dort gab es schon einmal Schilder die auf Aktivitäten von Bären hingewiesen haben. Mit der kleinen Pfefferspraydose bewaffnet (ist noch von der Afrikareise, danke Metin) schlief ich relativ gut, bis zur nächtlichen Pinkelpause, da musste der Busch hinter dem Zelt herhalten, der lange finstere Weg zu den Toilettanlagen war mir zu unsicher.

 

Um 4 Uhr früh wurde im Schein der Stirnlampe das Zelt abgebaut, die Ausrüstung am Moped befestigt, mittlerweile schon Routine, um eine halbe Stunde später beim Ticketbüro nachzufragen . Der frühe Vogel fängt den Wurm, in dem Fall bekam ich das Ticket, den später erfuhr ich, dass die Fähre voll ist. Die Abfahrt war um 7 Uhr 30 und nach und nach wurde der Wartebereich immer voller. Auch einige Amigos mit ihren Chopperharleys trudelten ein und die glaubten ihre ultralauten Maschinen nicht abstellen zu müssen, aber nervige 15 Minuten neben mir stehend, gaben sie auf, sonst hätte ich noch eine Stunde den Lärm um mich gehabt. Nach "Leinen los" ging es 16 Stunden durch verschiedene Kanäle (heißt auch inlands passage) Richtung Prinz Rupert. Langeweile gab's nicht, von der Besatzung wurden uns verschiedene Informationen mitgeteilt, sprich wenn Wale in der Nähe waren oder wir an geschichtlichen Orten vorbei fuhren. Wie im Kino konnte ich im gemütlichen Sessel sitzend die Landschaft vom großen Panoramafenster aus beobachten. Teilweise gab es Engstellen unter hundert Meter, für ein Schiff dieser Größe eine Herausforderung. Um Mitternacht habe ich im Zielhafen müde mein vorher reserviertes Zimmer bezogen. Am Morgen ging es nach dem Auschecken einmal in ein Geschäft für Regenbekleidung. Ja, meine Regenmontur hat sich an der Anfahrt Port Hardy von meinem Gepäcksnetz befreit und liegt irgendwo im Straßengraben in der Wildnis Kanadas 🫤. Geplantes Ziel "wäre" Stewart gewesen, bei Abfahrt fing es gleich einmal zu regnen an, Feuertaufe für das neue Regengewand, um dann 80 Kilometer später am Straßenrand in der Einöde, quasi im Bärenland, eine Panne zu haben.

Bei 90 km Geschwindigkeit ein Aufheulen des Motors, blinkende Lichter beim Tacho,  und dann Totenstille, ja echte Stille, meiner Person miteinbezogen, kopfkinomässig nach der Ursache denkend schob ich den Roller aus der Kurve an die andere Straßenseite. Griff zur Zigarette, ja ich rauche seit 2 Wochen wieder, nach 7 Monaten Abstinenz, um nun den Defekt zu eruieren. Kolben oder Lager, oder eventuell der Antriebsriemen. Das einzige was ich hier in der Pampa selbst reparieren könnte, das wäre der Riemen. Also zerlegte ich den Seitenteil und dann kamen auch schon Fragmente des ehemaligen Riemens zu Tage. Irgendwie eine Erleichterung, dass es NUR der Riemen war, auf der anderen Seite das große Fragezeichen WARUM??, der hatte ja erst 9000 km drauf, andere Riemen hatte ich oft erst bei 15000 km gewechselt und die hatten noch ziemlich neu ausgeschaut. Bei der Kupplung hingen die letzten Reste verbissen zwischen den Scheiben fest, mit Spitzzange, Messer und viel Kraft gelang es mir endlich den vorbeirasenden Verkehr ignorierend (hat eh keinen interessiert, dass da einer ein Problem hat) die Scheiben sauber zu bekommen. 

Nun machte ich zum neuen Riemen auch gleich neue Variorollen rein, wenn schon offen, dann das kleine Service komplett machen. Fertig und erleichert mit dem Einbau dann gleich die nächste Frustration, beim Drehen des Reifens gab's Schleifgeräusche, mahhhhhh😖😫 Nun fuhr ich zurück nach Prinz Rupert.  Dort ging es zu einer Firma: Metallbearbeiter, Dreher stand auf dem Logo. Dort zerlegte ich nochmals den Antrieb, meine Vermutung, dass es ein Lager erwischt hat, stellte sich als falsch heraus. Ich hatte beim Einbau eine Kühlrippe verbogen, die dann an der Kupplungsglocke scheuerte. Nach dem Ausklopfen mit dem Hammer war das Geräusch verschwunden. Nun ging es wieder Richtung Norden, Stewart war heute nicht mehr zu erreichen, so blieb ich nach einem Drittel der zu fahrenden Strecke in Terace, einem größeren Ort, wo ich am Gemeindecampingplatz mein Zelt aufschlug. Fortsetzung folgt 🫡

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